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Kur- und Ausflugsorte des Karlsbader Bezirkes

Kur- und Ausflugsorte des Karlsbader Bezirkes

Die Architektur der westböhmischen Heilbäder

Die Architektur der westböhmischen Heilbäder ist sehr eigenartig. Zwei Kurorte Westböhmens, Franzensbad und Marienbad, entstanden und wuchsen in der Zeit des Klassizismus und Empires. Beide Orte entstanden um l800, Franzensbad im Jahre l793 und Marienbad im Jahre l8l8. Für die angeführten Bäder typisch ist die Überblendung ihrer Bebauung mit der Natur in Form eines Naturparks. Den Baugestaltungsplan von Franzensbad arbeitete Abbé Gruber l795 aus, und im Jahre l827 ergänzte ihn Michael Riedl im Geiste eines englischen Parks. Der Baugestaltungsplan von Marienbad entstand im Jahre 1818 durch den Baumeister Georg Fischer und den Kunstgärtner Václav Skalník. Die Naturparks sind das kostbarste Erbe des Empire, sie entstanden als Kopie der Schlossparks, d.h. sie kopierten die Lebensform des Adels. Die Beliebtheit der Parks entsprang dem Geiste des Romantismus und aus den Lehren von J.J. Rousseau. Eine Rolle spielte auch die gespannte Anglophilie bei der Intelligenz in der Zeit der napoleonischen Kriege. Marienbad ist ein herrliches Beispiel für einen großen englischen Park. Eine prägnante Veränderung für die Bauentwicklung der westböhmischen Heilbäder vollzog sich nach l870 durch die Einführung der Eisenbahn. Danach wuchsen die Städte in Richtung Bahnstrecke und Bahnhof. Die Eisenbahn setzte eine neue und Höchstphase des Kurlebens in Gang. Eine weitere revolutionäre Handlung war die Massenverwendung von Eisen als Baumaterial. Ein modernes Element wurde Gusseisen und Vorfabrikate daraus. Aus Eisen und Gusseisen wurden Brücken, Geländer, Kolonnaden, Laternen und viele andere Objekte gebaut.

Der Zeitraum von l870-l9l4 brachte den westböhmischen Heilbädern den Baustileinfluss des Historismus und Jugendstils. Es ist bezeichnend, dass sich der bauliche Aufschwung aller 3 Kurorte in diesem Zeitraum genau mit ihrem wirtschaftlichen Aufstieg deckt. Der erste Weltkrieg bedeutete das Ende von beidem. Er beendete die Bauentwicklung unserer Heilbäder im wesentlichen. Im 20. Jahrhundert hat sich das Bild des Kerns der Bäder nicht mehr radikal verändert.

In Karlsbad hat sich bis zur Hälfte des l9. Jahrhunderts ein buntes Allerlei der Baumeister unter dem Taktstock Prags sowie regionaler Autoritäten durchgesetzt. Unter Bürgermeister Eduard Knoll kam es nach l870 zur Wende, grünes Licht bekam Wien. Den Architekten Fellner und Helmer gelang es, in einer renommierten, aber doch provinzial bescheidenen Stadt eine weltoffene Atmosphäre zu schaffen. Karlsbad kopierte in jeder Hinsicht Wien. Zum dominanten stadtbildenden Element wurde in Karlsbad der späte Historismus.

In Marienbad setzte sich nach Abklingen der Prager Einflüsse am Ende des l9. Jahrhunderts der heimische Baumeister Josef Schaffer durch. Dieser war stark inspiriert von der Architektur der Riviera und Monte Carlos. Durch zahlreiche wichtige Bauwerke zeichnete er wesentlich die Stadt (Neues Bad, Palladio u.a.), die viele von den Küstengebieten südlich der Alpen übernommene Motive hat. Auch in Marienbad regiert der Historismus in allen seinen Ausdrucksformen.

Die bauliche Gestalt von Franzensbad bestimmte bis Mitte des l9. Jahrhunderts der Cheber Baumeister Adam Haberzettl, danach wurden die hiesigen Architekten Karl und Gustav Wiedermann (Vater und Sohn) die Hauptgestalter. Ihr Schaffen durchlief den romantischen, strengen und späten Historismus wie auch den Jugendstil. In Franzensbad herrscht nach städtebaulicher Sicht das Empire. Von allen drei Bädern hat sich Franzensbad seinen ursprünglichen Empire- Stil am besten erhalten. Es ist trotz zahlreicher Brüche der einstigen Harmonie eine gestalterische Kostbarkeit.

Dr. Stanislav Burachovič

Karlsbad

Karlsbad ist ungelogen ein kulturhistorisches Phänomen von europäischer Bedeutung. Der Dichter Goethe bezeichnete es als „Schachbrett“ Europas, der Naturwissenschaftler Humboldt als „Brilliant in Smaragdeinfassung“. Vor dem 1. Weltkrieg wurde Karlsbad mit humorvoller, aber zutreffender Übertreibung als österreichisches Heilbad auf deutschem Gebiet Böhmens, von tschechischen Händen mit jüdischem Geld erbaut, charakterisiert. Zu den traditionellen Karlsbader Symbolen und Spezialitäten gehören der unikate Geysir der Therme, die Gamsbock- Statur auf dem sogen. Hirschsprung, der seit dem Jahre 1807 hergestellte Becherbitter- Likör „Becherovka“, das als Karlsbader Waffeln bezeichnete süße Gebäck, Kristallglas der Marke Moser, hochwertiges Porzellan, die Steinrose aus Aragonit und das Internationale Filmfestival. Karlsbad ist das berühmteste Heilbad der Tschechischen Republik. Bereits jahrhundertelang werden hier Erkrankungen des Verdauungs- und Bewegungsapparates sowie Stoffwechselstörungen geheilt. Die niedergeschriebene Geschichte der Thermalstadt begann am 14. August 1370, als Kaiser Karl IV. dem bereits existierenden Heilbad das Statut der königlichen Stadt verlieh. Von der begünstigten Stellung Karlsbads zeugen zahlreiche ihm zuerkannte Privilegien, von den Herrschern der Tschechen bis zum Jahre 1858 laufend bestätigt. Die Stadt wurde einige Male von Naturkatastrophen heimgesucht – von Feuerkatastrophen in den Jahren 1604 und 1759, von Hochwassern in den Jahren 1582, 1821 und 1890. Große Schäden erlitt sie auch in den Zeiten des Krieges. Dank des Kurwesens wurde sie jedoch immer wieder erneuert. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Karlsbad zu einem Kurort von Weltbedeutung. An der Formation der heutigen, in der Reihenfolge bereits vierten architektonischen Gestalt der Thermestadt haben sich jahrhundertelang eine Reihe zeitgenössischer Baustile beteiligt. Ihre Bausubstanz hat sich in der Geschichte immer ungefähr nach 100 – 120 Jahren abgewandelt. Die Baudenkmäler der Gotik und Renaissance verschwanden im Wandel der Zeit. Reminiszenzen des Barock sind die Pfarrkirche Maria Magdalena, die Dreifaltigkeitssäule, der Schlossturm und einige Plastiken. Der Renaissance- und Barockcharakter des Kurbades wurde durch die großen Stadtbrände ausgelöscht. Ende des l8. und in der ersten Hälfte des l9. Jahrhunderts wurde Karlsbad vom Klassizismus, Empire und Biedermeier gezeichnet, charakteristische Stilarten für die dekorative Heilbadarchitektur. Auf den heutigen Ausdruck der Stadt hatte der Aufbau in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Geiste von Historismus und Jugendstil den größten Einfluss. Die weitreichende Stadtmodernisierung forderte damals zahlreiche Demolitionen veralteter Häuser. Während der Jahre 1855 – 1914 entstanden die ausdrucksvollsten öffentlichen Gebäude und Kuranlagen Karlsbads. Auf den Baucharakter der Ära des Historismus hatte die Wiener Architektur, in Karlsbad verkörpert durch die Baumeister Ferdinand Fellner und Hermann Hellmer, einen bestimmenden Einfluss. Sie projektierten für Karlsbad mehr als 20 Bauwerke, die der Stadt eine eigenständige und bis heute bewunderte Atmosphäre verliehen (Thermalkolonnade, Theater, Marktkolonnade, Goethe- Ausblick, Kaiserbad u.a.).

Karlsbad kann sich durch die Besuche zahlreicher berühmter Gäste, v.a. aus dem Kreise europäischer Herrscher, Musiker, Dichter, Schriftsteller und Wissenschaftler rühmen (Karl IV., Waldstein, Peter der Große, Bach, Gellert, Josef II., Goethe (13 Aufenthalte!), Casanova, Schiller, Körner, Paganini, Beethoven, Mickiewicz, Chopin, Gogol, Tyl, Lizst, Barrande, Purkyně (Purkinje), Freud, Schliemann, Fontane, Brahms, Wagner, Grieg, Franz Josef I., Kafka, Atatürk u.a.). Das Andenken der renommiertesten von ihnen erhalten viele Gedenktafeln, Plastiken und Mahnmale in der Stadt.

Franzensbad

Um die Gründung von Franzensbad machte sich v.a. der Cheber Arzt Dr. Bernhard Vinzenz Adler (1753-1810) verdient. Er erforschte die örtlichen Quellen, schrieb zwei Bücher darüber und ließ sie erfassen. Offizielles Datum der Gründung von Franzensbad wurde der 27. April 1793. Der Kurort wurde zu Ehren des Kaisers Franz II. Kaiser Franzensbad genannt. Das Heilbad wuchs schnell, die Gebäude nahmen zu, es wurden Bäume gepflanzt und neue Wege angelegt. Die Stadt wurde von Anfang an planmäßig und architektonisch einheitlich erbaut. Ihren Bebauungsplan entwarf der Landesbaudirektor Tobias Gruber. Die Parkanlagen von Franzensbad im englischen Stil projektierte seit dem Jahre 1829 Hauptmann Michael Riedl. Um 1850 war Franzensbad bereits ein allgemein bekanntes und beliebtes Heilbad von europäischem Format. Es wurden hier hauptsächlich Frauenkrankheiten (besonders Unfruchtbarkeit) behandelt, seit Beginn des 20. Jahrhunderts dann auch Herz-, Gefäß- und Rheumaerkrankungen. Im Jahre 1865 bekam das Bad das Stadtstatut. Im selben Jahr gewann es über Cheb den Anschluss an das europäische Eisenbahnnetz. Franzensbad hat eine unikate überlieferte Bäderarchitektur vom Beginn des 19. Jahrhunderts. Zahlreiche bedeutende Bauwerke (z.B. das Kaiserbad, die Russische Kirche u.a.) gingen aus dem Atelier des hiesigen Architekten Gustav Wiedermann (1850-1914) hervor. Die Hauptpromenade und der gesellschaftliche Korso von Franzensbad ist der Nationalprospekt (ursprünglich Kaiser-) mit einer Reihe denkwürdiger Gebäude aus der Zeit um 1800. Im Haus „U dvou zlatých lvů“ (Zu den zwei goldenen Löwen) war 1812 Beethoven untergebracht. Im Hotel „Tři lilie“ (Drei Lilien) wohnten Goethe, Fürst Metternich und weitere bedeutende Persönlichkeiten. Wertvolle Baudenkmäler des Kurzentrums sind das sogen. Gemeinschaftshaus und der klassizistische Pavillon der Franzensquelle aus dem Jahre 1832. Franzensbad spielte im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle als gesellschaftliches kulturelles Zentrum. Es inspirierte eine Reihe von literarischen Werken. Die deutsche Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach schrieb hier die bemerkenswerten Essays ”Aus Franzensbad”. In Franzensbad kurierte sich auch die Schriftstellerin Božena Němcová (1846). Sie beschrieb das Heilbad in 3 Feuilletons. Desweiteren waren hier die Komponisten Johann Strauss (erstmals 1884) und Ludwig van Beethoven (1812) zur Kur. Insgesamt 33 mal besuchte J.W. Goethe kurzzeitig Franzensbad. Länger verweilte hier der Dichter im Jahre 1808, als er sich der Erforschung des erloschenen Vulkans Komorní hůrka widmete. In den Jahren von 1815-1848 wurde Franzensbad z.B. von General Blücher, dem Sieger über Napoleon, von Professor Christoph Wilhelm Hufeland, dem Autor zahlreicher Schriften über europäische Heilbäder, vom bereits erwähnten Fürst Metternich, vom österreichischen Erzherzog Štěpán und vom Prager Komponisten Václav Jan Tomášek besucht.

Jachymov (St. Joachimsthal).

Jachymov ist eine bedeutende historische Kurstadt im Erzgebirge. Sie wurde im Jahre 1516 bei den reichen Silberbergwerken der Grafen Schlick gegründet. Im 16. Jahrhundert wurde Jachymov berühmt durch seinen außergewöhnlich ertragreichen Bergbau und das Prägen von Silbermünzen, den sogen. Talern. Das Renaissance- Jachymov, das um 1530 an die 18 000 Einwohner zählte, hatte ein reiches kulturelles Leben. Bedeutende Persönlichkeiten, die untrennbar mit dem Schicksal und der Blüte der Stadt im 16. Jahrhundert verbunden waren, waren der lutheranische Prediger Johann Mathesius, der Arzt und Naturwissenschaftler Georgius Agricola, der Münzmeister Lazarus Ercker und der Lateinschullehrer Nikolaus Hermann. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Jachymov durch seine Bergbauschule und die Produktion von Uranfarben bekannt. Der traditionelle Jachymov- Erzbergbau wurde nach seinem Rückgang an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durch das radioaktive Kurwesen abgelöst. Die berühmte Physikerin Marie Curie-Sklodowska, die das neue Element Polonium entdeckt hatte, fand im Jahre 1898 in den Jachymover Abfallerzen aus der Uranfarbenproduktion das Element Radium. Kurz danach wiesen Physiker den Inhalt von Radon (heilende Radium- Emanation) in einigen Jachymover Thermalwassern nach. Es folgten erste Versuche dieser radioaktiven Wasser mit Heilwirkungen. Im Jahre 1906 wurde Jachymov zum ersten Radon- (radioaktiven) Kurort der Welt. Hauptindikation des Jachymov- Heilbades wurde die Therapie von Krankheiten des Bewegungsapparates, von Nerven- und metabolischen Krankheiten. Das Kurzentrum von Jachymov entstand im unteren Teil der Stadt. 1912 wurde hier ein großzügiges Kurhotel mit der Bezeichnung „Radium Palace“ errichtet. Das besuchte eine Reihe von berühmten Gästen, z.B. der Präsident der ČSR T.G.Masaryk und im Jahre 1925 die Nobel- Preis- Trägerin Marie Curie-Sklodowska. Die Anzahl der Kurgäste des Heilbades wuchs schnell, um das Jahr 1930 herum betrug sie über 9 000 Gäste jährlich. Einer der zahlreichen bemerkenswerten Patienten von Jachymov war im Jahre 1911 der deutsche Schriftsteller von Abenteuerromanen Karl May. Die Architektur Jachymovs wird von einem ausgedehnten Komplex spät- gotischer und Renaissance- Bürgerhäuser gekennzeichnet. Zu den wertvollsten Denkmalsobjekten der Stadt gehören das Renaissance- Rathaus aus dem Jahre 1544 (1902 umgebaut), die Dekan- Kirche St. Joachim aus dem Jahre 1540 (1876 umgebaut), das Gebäude des ehemaligen Königlichen Münzhauses aus dem Jahre 1536 mit Museum, die Kapelle St. Barbora (1770), die Kapelle St. Anna (1778), die Kapelle St. Jan Nepomucký (1734), die spät- gotische Spital- Kirche vom Beginn des 16. Jahrhunderts und die Ruine der Burg Freudenstein aus der selben Zeit.

Marienbad

Marienbad gehört zu den jüngsten böhmischen Bädern. Es hat eine hervorragende Tradition bei der Heilung von Krankheiten des Verdauungs-, Atmungs-, Bewegungs- und Blasenapparates. Die hiesigen Quellen waren schon im Mittelalter bekannt. Sie lagen auf den Waldgrundstücken des Prämonstratenserklosters in Tepl, und man nannte sie deshalb Tepler bzw. Uschowitzer Quellen. Das Heilbad wurde an dieser Therme auf Anlass des Tepler Klosterarztes Dr. Johann Josef Nehr (1772-1820) gegründet. Er setzte sich für die Trocknung von Moor, die Anzapfung der Quellen und den Bau von Kurhäusern ein. 1805 ließ er an der Kreuzquelle das erste Kurhaus „U zlaté koule“ (Zur goldenen Kugel) errichten. Im Jahre 1808 bekam eine der Quellen den Namen Marienquelle. Im selben Jahr gab es auch die erste Kursaison mit 80 Gästen. Der neu entstehende Kurort wurde im gleichen Jahr erstmals Marienbad genannt. Ökonomisch wurde die Entwicklung des Heilbades vom Tepler Abt Karl Kaspar Reitenberger unterstützt. Am 6. November 1818 wurde Marienbad zum öffentlichen Heilbad erklärt. Seine Parkanlagen im Geiste englischer Schlossgärten entwarf der Kunstgärtner Václav Skalník (1776-1861), der spätere Bürgermeister von Marienbad. Zur Stadt wurde Marienbad im Jahre 1866. Den weiteren Aufschwung des Kurwesens unterstützte im Jahre 1872 der Bau der Eisenbahnstrecke mit Anschluss nach Cheb und Pilsen. 1898 wurde noch die Strecke von Marienbad nach Karlsbad erbaut. Im Jahre 1887 wurde Marienbad ständiger Verwaltungssitz des Gerichtsbezirkes, 1902 dann Bezirksstadt. Die Architektur Marienbads stammt im Großen und Ganzen von der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts und ist im Geiste des Historismus und des Jugendstils geschaffen. Viele Bauten entwarf der bedeutende Marienbader Baumeister Josef Schaffer, der sich v.a. von der Architektur aus dem Gebiet der Rivera inspirieren ließ. Zu den kostbarsten Baudenkmälern der Stadt gehören die Hauptkolonnade (1889), das Neue Bad (1896), das Gemeinschaftshaus Casino (1900), das Zentralbad (1892- umgebaut 1985), das Moorbad (1882), das Goethe- Haus (1818), in dem sich heute ein Museum befindet und das früher „U zlatého hroznu“ (Zur goldenen Traube) hieß, die römisch- katholische Kirche der Jungfrau Maria Himmelfahrt (1848), die Kolonnade Karolinas Quelle (1811 a 1823), die orthodoxe Kirche St. Vladimir (1902) und die englische Kirche (1879). In Marienbad wurde eine große Reihe berühmter Persönlichkeiten aus Kreisen der Aristokratie und der Großen des Geistes kuriert. Es waren hier z.B. J.W.Goethe, M.Twain, H.Ibsen, I.S.Turgenjew, R.Kipling, F. Chopin, J.Strauss, R.Wagner, C.M.Weber, T.A.Edison, Edward VII. (9 Aufenthalte !) und M.Gorki. Goethe lernte 1821 in Marienbad seine letzte Liebe, Ulrike von Levetzow, kennen. Der englische König Edward VII., der in den Jahren von 1897-1909 in Marienbad zur Kur verweilte , gründete hier einen Golfplatz.

Kynžvart (Königswart)

Das klimatische Bad Königswart liegt am Fuße des Slavkov- Waldes unweit von Marienbad. Es spezialisiert sich auf die Heilung von Krankheiten der Atemwege bei Kindern. Die erste Erwähnung über die Königswarter Heilquellen bezieht sich auf das Jahr 1454. Die Gemeinde Königswart war seit 1623 im Besitz des Adelsgeschlechtes der Metternichs, die hier ein großartiges Schloss mit einem ausgestreckten Park errichteten. Das erste private Heilbad wurde im Jahre 1822 in Königswart gegründet. Im selben Jahr analysierte der berühmte schwedische Chemiker J. J. Berzelius das Königswarter Mineralwasser. Auf sein Anraten wurden noch im gleichen Jahr sechs Quellen erfasst. Gleichzeitig mit der Kurnutzung der Quellen begann auch ihr Export in Steinkrügen unter der Bezeichnung Königswarter Stahlwasser. Die Ausfuhr endete jedoch früh wegen Unrentabilität und großer Konkurrenz anderer naher regionaler Therme (Karlsbad, Franzensbad, Marienbad, Sauerbrunnen u.a.). Der Hausarzt des Fürsten Metternich Dr. Friedrich Jäger iniziierte im Jahre 1856 die Gründung neuer Kurobjekte. Im Jahre 1862 wurden die Königswarter Wasser offiziell zu Heilwassern erklärt. Ein bedeutender Propagator des Bades Königswart und seiner Therme war in dieser Zeit Dr. Josef Löschner, ein Wegbereiter der Balneologie in den tschechischen Landen. 1863 wurde das große Kurhaus Metternich errichtet, nach 1945 Orlík (Kleiner Adler) genannt. Später wurden die Kolonnade, das Gebäude der Balneoterapie (1885) und einige Unterkunftshäuser gebaut. Erneut wurde die Ausfuhr des Mineralwassers Richardka aufgenommen, benannt nach Richard Clemens Metternich (1829-1895), dem Sohn des Fürsten C.L.V. A. Metternich (1773-1859). Seine chemische Analyse führte im Jahre 1897 der bekannte Prager Chemiker Professor Dr. Gintl durch. Außer dem Königswarter Mineralwasser nutzte man seit Ende des 19. Jahrhunderts zur Therapie auch die hiesige Torferde aus den Räumen des Slavkov- Waldes. Die dritte Naturheilquelle von Königswart war und ist bis heute die außergewöhnlich saubere Luft in der waldigen Umgebung. Schon von Beginn an behandelte man in Königswart außer anderen Krankheiten auch Katarrhe der Atemwege. Nach dem ersten Weltkrieg wurden hier die Sauerbrunnen Richardka und Viktorka zur Trinkkur genutzt, und vier weitere Mineralquellen zu Kohlenstoffbädern. Das Heilbad in Königswart war wegen der Andersartigkeit seiner Indikationen nie eine Konkurrenz für das nahe gelegene Marienbad.

Konstantinovy Lázně (Konstantinsbad)

Am südlichen Rand des Karlsbader Bezirkes liegt in malerischer Landschaft Konstantinsbad. 1809 bestellte sich der Besitzer des Herrengutes Bezdružice, Konstantin, Fürst Löwenstein-Wertheim, beim Klosterarzt von Tepl, Dr. Johann Josef Nehr, ein Gutachten über die Sauerbrunnenwasser beim Dorf Neudorf. Die Quellen wurden von den ortsansässigen Bauern zur Heilung verschiedener Leiden und Gebrechen genutzt. Doktor Nehr empfahl die Nutzung des Neudorfer Wassers zu Kurzwecken. Auf dieser Grundlage wurde im Jahre 1812 in Neudorf anstelle des Holzbaus aus dem Jahre 1803 das erste Mauerkurgebäude erbaut, das sogen. Alte Bad. Es hatte 22 Zimmer, einen Speiseraum und 5 Badkabinen. Die Anschaffungs- und Betriebskosten des Bades waren jedoch zu hoch, und so wurde es von der Gemeinde am 6. Juni 1835 für 1843 Gulden an den Fürsten Löwenstein verkauft. Dieser vermietete das Bad und sorgte eine Reihe von Jahren vorbildlich für seinen Aufschwung. Er ließ Schritt für Schritt eine Kolonnade, einen Park, neue Straßen errichten sowie weitere Quellen erfassen, die der Prager Chemiker Dr. Josef Lerch erforschte. Um 1870 überführte Fürst Löwenstein das Eigentum des Heilbades an eine Pilsner Handelsgesellschaft, die JUDr. F. Pankratz leitete. Im Jahre 1875 wurde dann auf Veranlassung von Dr. Pankratz ein neues zweistöckiges Kurgebäude errichtet, der Park erweitert und die Kolonnade modernisiert. Eine weitere Analyse der Neudorfer Mineralquellen hat im Jahre 1876 R. Fresenius durchgeführt. In dieser Zeit wurden sie zur Heilung von Rheumatismus, Blutarmut und Epilepsie genutzt. Sofie, die Frau von Dr. Pankratz, ließ 1890 auf der Anhöhe beim Kur- Hauptgebäude eine Marienkapelle errichten. Im Jahre 1900 wurde der ursprüngliche Gemeindename Neudorf zu Ehren des Fürsten Konstantin in Konstantinovy Lázně (Konstantinsbad) geändert. 1901 bekam das Bad einen Anschluss an das Eisenbahnnetz, was zum Bau zahlreicher weiterer Heil- und Unterkunftseinrichtungen führte. 1928 wurde Konstantinsbad amtlich als Kur- Therapie- Ort anerkannt. Im selben Jahr wurde das Hauptkurgebäude (heute Kuranstalt Prusík) zu seiner gegenwärtigen Gestalt umgebaut. Konstantinsbad spezialisiert sich auf die Heilung von Herzkrankheiten und Krankheiten des Bewegungsapparates.

Bečov nad Teplou (Petschau an der Teplá)

Die Anfänge von Petschau an der Teplá fallen in das 13. Jahrhundert. An der Kreuzung von Handelswegen entstand eine Siedlung mit befestigtem Hof, an dessen Stelle um das Jahr 1300 eine Burg erbaut wurde, das Verwaltungszentrum eines Bezirkes mit bedeutenden Zinnbergwerken in Horní Slavkov und Krásna. Die Siedlung unter der Burg gewann im Jahre 1399 die Stadtrechte. Während des Mittelalters, der Renaissance und des Barock wechselten die Besitzer von Petschau oft . Im Jahre 1752 wurde Petschau Erbbesitz der Grafen Kounitz, und von 1813-1945 gehörte es den belgischen Herzögen Beaufort-Spontini. Seine größte Blüte erreichte Petschau im 16. Jahrhundert, als sich dort das Zinnwesen entwickelt hat. In dieser Zeit wurde hier der humanistische Dichter Filip Rab geboren. In den Jahren 1850-1949 war Petschau Sitz des Gerichtsbezirkes. Die Bevölkerung der Stadt ernährte sich von Landwirtschaft, Waldwirtschaft, Handwerk und auch von der Musik, deren Entwicklung hier bereits im Barock die Questenberks und Kounitzs unterstützten. In Petschau existierte bereits im Mittelalter eine große jüdische Gemeinde. Am Ende des19. Jahrhunderts wird Petschau zu einem Eisenbahnknotenpunkt. Die Eisenbahn unterstützte die Entwicklung der hiesigen Industrie und des Tourismus. In der Gegenwart bemüht sich Petschau mit Erfolg, den traditionellen Touristenverkehr und den historischen Kern, der eine Fußgängerzone ist, zu erneuern. Im Jahre 1998 wurde der Gemeinde das Stadtstatut zurückerteilt. An die einstige reiche Musiktradition knüpft die bekannte Kunstgrundschule an. Das Gelände der staatlichen Burg erfährt in den letzten Jahren eine kostspielige Rekonstruktion. Seine Hauptattraktion ist der restaurierte Reliquienschrein St. Maurus, ein seltenes romanisches Denkmal vom Anfang des 12. Jahrhunderts und einer der größten Kulturschätze Europas. Der Reliquienschrein stammt aus einer benediktinischen Abtei im belgischen Florennes, von der ihn die Beaufort-Spontinis nach Petschau gebracht haben. Seit 1945 war er verschwunden und wurde im Jahre 1985 unter dem Fußboden der Burgkapelle wiederentdeckt. Der historische Kern von Petschau wird beherrscht vom Gelände eines der besterhaltensten tschechischen spätgotischen Burgen. Beim barocken Umbau der Vorburg in den Jahren 1750-1753 wurde das sogen. Untere Schloss errichtet. Die Burg wurde nach dem Schlossbau verlassen und verwahrloste allmählich. Der Stadtkern von Petschau hat einen mittelalterlichen Grundriss. Den ursprünglichen mittelalterlichen Charakter der Bebauung vernichteten Brände (1621 und 1760) und die kürzliche Sanierung und Modernisierung. Auch die Befestigung der Stadt ist schon lange verfallen, und es konnten nur Reste davon erhalten bleiben. Die Bollwerke knüpften an die Burgbefestigung an, und es stand darin nur ein Eintrittsstadttor. Der barocke Neubau der Pfarrkirche St. Georg bildet die zweite Dominante von Petschau und wurde in den Jahren 1763-67 an die Stelle des alten Domes gebaut. Auf dem damaligen Markt, dem heutigen Stadtplatz, steht das Gebäude des Rathauses aus der Zeit nach 1760 und eine barocke Mariensäule aus dem Jahre 1680. Eine Reihe von Häusern erhielt sich bis heute den gotischen Kern mit Keller. Der westliche Teil des Stadtkerns wurde vom geschlossenen jüdischen Ghetto gebildet. Es stand hier eine Synagoge aus dem Jahre 1688, heute schon abgerissen. Südlich von Petschau sind auf der Galgenhöhe Reste des Steinbaus der Stadthinrichtungsstätte erhalten geblieben, zu der im Jahre 2003 ein Lehrpfad mit der Thematik des Hinrichtungsrechtes angelegt wurde. Wegen seiner Lage und bedeutenden Sehenswürdigkeiten ist Petschau ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in das Landschaftsschutzgebiet das Slavkov- Waldes.

Jiří Schierl und Stanislav Burachovič

Teplá (Tepl)

Das alte Städtchen Tepl ist das Verwaltungszentrum des südöstlichen Teils des Karlsbader Bezirkes. Die Anfänge von Tepl fallen in das 12. Jahrhundert. An seiner Stelle stand ein Dorf mit einer bedeutenden Landeszollbehörde auf dem Handelsweg von Cheb nach Prag. 1193 wurde unweit von Tepl durch den Magnaten Hroznata ein Prämonstratenserkloster gegründet, das eine Schlüsselfunktion bei der mittelalterlichen Besiedlung des gesamten umliegenden Bezirkes einnahm. Von großer Bedeutung war die klösterliche Teichwirtschaft. Tepl wurde im Jahre 1385 zur Stadt erhoben, als ihm der Herrscher zahlreiche Privilegien zusprach. Die Geschichte von Tepl wurde unselig beeinflusst von den Husitenkriegen, einem Stadtbrand im Jahre 1537, einer Pestepidemie und den Gewalttätigkeiten des dreißigjährigen Krieges, die zur Entvölkerung des Gebietes führten, sodass es wiederholt mit deutschen Siedlern besiedelt werden musste. Im Jahre 1680 kam es im Gebiet um Tepl zu einem großen Bauernaufstand, der durch die Obrigkeit niedergeschlagen wurde. Im 18. Jahrhundert wurde das Kloster zum Zentrum von Wissenschaft und Kunst. In der Klosterlehranstalt, wo außer Recht und Medizin alle Wissenschaftsbereiche gelehrt wurden, wurde ein naturwissenschaftliches Kabinett gegründet und die Bibliothek erweitert. Besonders die Periode des Abtes Kryštof Heřman in den Jahren 1767-1789 wirkte segensreich, denn die ausgedehnte Wirtschaftstätigkeit des Abtes unter Nutzung der modernsten Methoden brachte das gesamte Klostergebiet zu nie dagewesener Blüte. Der Abt verhinderte durch seine Anstrengungen und seinen Einfluss die Auflösung des Klosters unter Josef II. Die Tepler Prämonstratenser standen bei der Genese des nahegelegenen Marienbades, deren Quellen schon in den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts der Klosterarzt Josef Johann Nehr erforscht hatte. Das sich vielversprechend entwickelnde Heilbad stellte dann im 19. Jahrhundert eine der Haupteinnahmequellen des Klosters dar.
Die Stadt Tepl hat viele künstlerisch-historische Denkmäler, z.B. die barocke Dekankirche St. Jilji, die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit, die Pestsäule aus dem Jahre 1721, das alte Rathaus und eine Reihe barocker Kapellen und Plastiken. Das wertvollste Denkmal von Tepl ist jedoch das bereits erwähnte Prämonstratenserkloster, bekannt durch seine außergewöhnlich kostbare Bibliothek, die romanisch- barocke Kirche der Verkündigung der Jungfrau Maria und die Orgelkonzerte. Die Klosterbibliothek kann sich mit einer außergewöhnlich großen Sammlung mittelalterlicher illuminierter Handschriften rühmen. Eine Besichtigung des Klosters sollte sich kein Besucher des Karlsbader Bezirkes entgehen lassen.

Milan Augustin und Stanislav Burachovič

Loket (Ellbogen), die Wiege Karlsbads

Loket, einstmals königliche Bezirksstadt, erstmals erwähnt am 2. August des Jahres 1268 in einem Schriftstück des Königs Přemysl Otakar II., gehört zu den ältesten Siedlungslokalitäten auf dem Gebiet der westböhmischen Bäder. Die einstige Bewunderung Goethes für die Schönheit von Loket teilt auch heute jeder, der das romantische Burgstädtchen kennenlernt. Die einzigartige Lage Lokets im bewaldeten Tal des Flusses Eger bezaubert jeden aufmerksamen Besucher. Die typische Silhouette der Burg von Loket hinterlässt einen unvergesslichen Eindruck. Ihre Wände beherbergten viele berühmte Persönlichkeiten, z.B. den König Johann von Luxemburg und seine Frau Elisabeth Přemyslovna mit dem Königssohn Wenzel (später Karl IV.). Kaiser Karl IV. fuhr sehr gern nach Loket, und einer seiner Aufenthalte hing mit der Gründung des Heilbades Karlsbad zusammen. Auch Karls Sohn Wenzel IV. besuchte das Städtchen. Loket ist ein landschaftliches Wunder, das durch das harmonische Zusammenwirken von Natur und Mensch entstanden ist. Der Humanist Caspar Bruschius bezeichnete Loket im Jahre 1542 als Schlüssel zu Böhmen. Loket ist ein lebendiges Lehrbuch der Geschichte und Baustile. Während ihrer Kuraufenthalte in Karlsbad besuchten Persönlichkeiten mit solch klangvollen Namen wie Goethe (hat in Loket ein Mahnmal und eine Gedenktafel), Herder, Ebert und Körner (hat in Loket eine Gedenktafel) gern das Städtchen. Die interessantesten Sehenswürdigkeiten von Loket sind die romanisch- gotische Burg, wahrscheinlich bereits um 1130 vom Markgrafen Diepold II. von Vohburg gegründet und erstmals erwähnt im Jahre 1234 (die heutige Burggestalt entstand durch Umbau im Zeitraum 1390-1547), der Marktplatz mit dem barocken Rathaus (1685), der Dreifaltigkeitssäule (1719), dem Goethe- Hotel „Bílý kůň“- Weißes Pferd (im Hotel ist die ursprüngliche Gartenterasse erhalten, auf der der Dichter Goethe am 28. August 1823 seinen 74. Geburtstag in Gesellschaft der neunzehnjährigen Ulrike von Levetzow gefeiert hat, die er um ihre Hand anhielt) und mit vielen historischen Häusern aus der Zeit der Gotik, Renaissance und des Barock, desweiteren der Turm Robičská věž (Robič- Turm), das Hauptstadttor und die Befestigungsmauern mit Bastionen. Im Rathaus von Loket befindet sich eine Galerie und eine Dauerausstellung von Karlsbader Kurtassen. Die Exposition verdeutlicht die von Anfang an enge Beziehung zwischen Loket und Karlsbad. Eines der Symbole dieser Verbundenheit ist die historische Persönlichkeit des Loketer Arztes Václav (Wenzel) Payer, der im Jahre 1522 die erste Schrift über Karlsbader Heilverfahren herausgab. In der Vergangenheit war Loket für die Herstellung von Porzellan und Lebkuchen bekannt. Die hiesige Porzellanfabrik wurde im Jahre 1815 von den Brüdern Haidinger gegründet. Im Zusammenhang mit der Pozellanfabrik hat sich im 19. Jahrhundert in Loket ein künstlerisch bedeutsames inländisches Schaffen der Porzellanmaler entwickelt, die sogen. Emailler. Der Beste wurde Josef Kiihnhackel, ein Blumenmaler. Ein einmaliges technisches Denkmal von Loket war die Kettenbrücke über der Eger aus dem Jahre 1836. Nach hundertjähriger Existenz wurde sie durch die jetzige Betonbrücke ersetzt. Über die Schönheiten, Sehenswürdigkeiten und reiche Geschichte von Loket könnte man noch lange schreiben. Ein persönlicher Besuch der Stadt erzählt Ihnen jedoch mehr, als das poetischste schriftliche Loblied auf sie.